vonRedaktion Salzburg
MÄRZ 06, 2026
Wien
•â?¯86â?¯% der Fahrgäste fühlen sich durch lautes Telefonieren gestört
•â?¯Humorvolle Kampagne mit „Wiener Schmäh“
•â?¯Strenge Kontrollen und Ermahnungen bei Verstößen
Lautes Telefonieren über Lautsprecher. Musikhören ohne Kopfhörer. Ein letzter Bissen Knoblauchpizza in der U-Bahn. Was für die einen harmlos erscheint, ist für viele ein großes Ärgernis. Genau hier setzt die neue Kampagne der Wiener Linien an, um die täglich mehr als 2,4â?¯Millionen Fahrgäste auf klare Spielregeln und auf die gegenseitige Rücksichtnahme hinzuweisen. Mit lustigen Motiven unter dem Titel „Host kan Genierer?“, einem Kampagnensong auf den Spuren eines Klassikers von Georg Danzer, Social-Media-Postings, diversen Durchsagen in den Stationen sowie strengen Kontrollen und Ermahnungen startet nun die Kampagne.
„Wo täglich Millionen Menschen aufeinandertreffen, braucht es klare Spielregeln und gegenseitige Rücksichtnahme. Niemanden interessieren lautstarke Debatten über Beziehungsprobleme anderer Mitfahrender – genauso wenig wie die Einkaufsliste, das Abendmenü oder die Wochenendplanung. Und auch der Musikgeschmack ist bekanntlich sehr individuell. Eine Beschallung des ganzen Waggons braucht daher wirklich niemand. Unsere Öffis sind ein gemeinsamer Raum, und der verlangt Respekt; rücksichtsloses Verhalten ist schlichtweg nicht akzeptabel. Schon die kürzliche Ankündigung einer Offensive hat enorm viel Echo hervorgerufen und zeigt, wie überfällig Maßnahmen sind. Daher wollen wir nun das Bewusstsein dafür stärken, dass jede und jeder Verantwortung für ein respektvolles Miteinander trägt – damit sich in Wiens Öffis alle wohlfühlen“, betont Öffi-Stadträtin Ulli Sima. Die Mitarbeiter*innen der Wiener Linien kontrollieren diese Spielregeln ab nun verstärkt und ermahnen bei Fehlverhalten. Auf der anderen Seite soll auch die Zivilcourage unter den Fahrgästen gestärkt werden, um Mitfahrende auf die bestehenden Spielregeln hinzuweisen.
„Rücksichtnahme ist kein Luxus, sondern die Basis für ein funktionierendes Miteinander – gerade in einem System, das täglich Millionen Menschen bewegt. Als Wiener Stadtwerke ist es unser Anspruch, dass öffentliche Mobilität nicht nur verlässlich und sauber ist, sondern auch von Respekt getragen wird. Die Kampagne zeigt mit einem Augenzwinkern, wie kleine Gesten Großes bewirken können“, unterstreicht Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke.
Neben persönlichen Erfahrungen vieler Fahrgäste bestärkt auch eine kürzlich von den Wiener Linien beauftragte Umfrage mit rund 800â?¯Teilnehmer*innen zwischen 16 und 75â?¯Jahren den Handlungsbedarf. Diese zeigt eine deutliche Wahrnehmungslücke: Nur 9â?¯Prozent der Befragten geben an, schon einmal laut über Lautsprecher telefoniert oder Videos ohne Kopfhörer geschaut zu haben. Gleichzeitig fühlen sich 86â?¯Prozent durch genau dieses Verhalten gestört. 92â?¯Prozent halten es für wichtig, dass lautes Telefonieren und Videoschauen ohne Kopfhörer unterlassen wird.
Diese Diskrepanz zeigt: Das eigene Verhalten wird oft als weniger störend wahrgenommen, als es für das Umfeld tatsächlich ist. Die neue Kampagne „Host kan Genierer?“ greift daher genau diesen Punkt auf und schafft Bewusstsein für die oft so negative Wirkung des eigenen Handelns.
Wie bereits bei der Einführung des Essverbots in der U-Bahn, das 2019 auf Wunsch vieler Fahrgäste erfolgte, wird auch jetzt im ersten Schritt der neuen Offensive auf Information und Sensibilisierung gesetzt. „Unsere Regeln sind klar und gelten für alle. Die meisten Fahrgäste halten sich daran. Mit dieser Kampagne wollen wir jene erreichen, die das nicht tun und sich der Wirkung ihres Verhaltens oft auch nicht bewusst sind“, erklärt Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien. „Wenn wir alle ein bisschen Rücksicht nehmen, wird das Unterwegssein für jede und jeden angenehmer.“
Ab 9.â?¯März sind die Kampagnenmotive im gesamten Stadtgebiet auf Plakaten zu sehen. Im Zentrum steht dabei typisches Fehlverhalten: ein Riesen-Handy und ein Telefonat, das akustisch den gesamten Waggon dominiert, eine überdimensionierte Leberkäsesemmel in der U-Bahn, deren Duft die Mitfahrenden anwidert, ein riesiger Rucksack, der anderen den Platz nimmt.
Diese visuelle Übertreibung verdeutlicht, was im Alltag oft unterschätzt wird: Was für die einzelne Person klein wirkt, kann für das Umfeld große Auswirkungen haben – sei es durch Geruchsbelästigung, eingeschränkten Platz oder Lärm durch Telefonieren über Lautsprecher oder Musikhören ohne Kopfhörer. „Für dich egal, für andere eine riesige Qual“ bringt dies auf den Punkt. Der gewählte Claim „Host kan Genierer?“ ist ein ur-wienerischer Sager und macht klar: Respekt ist kein bürokratisches Regelwerk, sondern Teil von Gemeinschaft und Identität. Wer in Wien einsteigt, fährt mit Respekt – und trägt selbst dazu bei, dass die Öffis für alle angenehm bleiben.
Neben den Plakaten ist der Song „Ka Genierer“ zentraler Bestandteil der Kampagne – eine umgetextete Version des Klassikers von Georg Danzer „I bin a Kniera“, neu interpretiert. Der Song thematisiert augenzwinkernd, wie das eigene Verhalten andere stören kann, und macht hörbar, was viele im Öffi-Alltag erleben.
Damit verbindet die Kampagne Wiener Musikgeschichte mit einer zeitgemäßen Botschaft für mehr Rücksichtnahme – klar, einprägsam und, wie für die Wiener Linien typisch, mit einer Portion Augenzwinkern.
Alle Informationen zur aktuellen Kampagne sowie der Hausordnung der Wiener Linien sind auf der Website zu finden.
Quelle: Stadt Wien